Bodenschätzung im Landkreis Ostallgäu und Landsberg

  Die Reichsbodenschätzung / Urschätzung in Deutschland


Nach dem Inkrafttreten des Bodenschätzungsgesetzes (16.10.1934) wurde begonnen ganz Deutschland Bodenschätzungsmäßig zu erfassen. Dazu wurde an jedem Finanzamtsbezirk einer oder auch mehrere Schätzungsausschüsse berufen.

§ 7 Bodenschätzungsgesetz (ursprüngliche Fassung):

(1) Der Oberfinanzpräsident beruft im Benehmen mit dem zuständigen Landesbauernführer für jeden Finanzamtsbezirk einen oder mehrere Schätzungsausschüsse. Führer des Schätzungsausschusses ist der Vorsteher des Finanzamts. Er ist an die Weisungen des Oberfinanzpräsidenten gebunden.

während der Urschätzung setzte sich der Schätzungsausschuss folgendermaßen zusammen:           1 Amtlicher Bodenschätzer (heute ALS), 2 Ehrenamtliche Schätzer (Landwirte) und einem Vermessungstechniker. Zusätzlich kamen von den jeweiligen Gemeinden Arbeiter als Hilfskräfte für Grabarbeiten hinzu.

Der Landkreis Ostallgäu wurde noch vollständig vor dem zweiten Weltkrieg geschätzt (1936-1939) Die von der Gemeinde bereitgestellten Arbeiter hatten einen Stundenlohn von 0,56 Reichsmark (im Jahr 1937). Sie waren gesetzlich versichert, der Arbeitnehmeranteil zur Kranken- Arbeitslosen- und Invalidenversicherung betrug 10,5 %.                                                              Gearbeitet wurde an 6 Tagen der Woche (der Samstag war Arbeitstag), die tägliche Arbeitszeit betrug ca 12 Stunden. Davon waren 6-8 Stunden Feldarbeit und der Rest sog. Hausarbeit (Schreib- und Zeichenarbeiten).

Über die Arbeitszeiten und Löhne sowie alle anderen Arbeiten wurde peinlichst genau Buch geführt. Ich habe bei meinen Unterlagen für jede Gemarkung die Tagebücher, Lohnabrechnungen und weiteren Aufzeichnungen über die Arbeiten (im Original).

Nachfolgend einige Bilder aus der Zeit der Urschätzung:

Schätzungsausschuss auf dem Weg zur Arbeit

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Schätzungsausschuss mit Dienstfahrzeug. Anhand des Kennzeichens kann man folgendes feststellen:                    die römische II steht für Bayern, das A für das Stadtgebiet München, es handelt sich also vermutlich um ein Dienstfahrzeug des Landesfinanzamtes München bzw der Oberfinanzdirektion.  Das wohl sehr bekannte Symbol auf dem Stander habe ich aus rechtlichen Gründen unkenntlich gemacht (nicht das ich eine Strafanzeige bekomme).

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Schätzungsausschuss und andere, zusammen mit dem Dorfpolizisten (man beachte die stramme Haltung)

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Gegenüberstellung von einigen Zahlen und Fakten der Urschätzung zu heutigen Zahlen am Beispiel der Gemarkung Günzach die zur Zeit der Urschätzung noch Immenthal hieß.

Geschätzt wurde Günzach vom 20.04.1937 bis 16.09.1937 an insgesamt 57 Arbeitstagen. Arbeitslohn für Hilfskräfte wurde für insgesamt 1.180 Stunden abgerechnet. Der ausbezahlte Lohn dafür betrug: 659,36 Reichsmark. Vor Beginn der Schätzung wurden insgesamt 9 Vergleichstücke angelegt und eingewertet.

1937

 2007

Es gab damals 105 Landwirtschaftliche Betriebe (der kleinste 3 ha der größte über 50 ha)
Gehalten wurden: 175 Zugpferde, 2 Zugochsen, 16 Fahrkühe und eine größere Anzahl Mastschweine.
Der Bestand an Milchkühen ging aus den Aufzeichnungen leider nicht hervor.
Vereinzelt (vor allem in den großen Betrieben) waren auch bereits Schlepper vorhanden. Der größte hatte 18 PS.
Die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh lag bei 2869 kg (3,61% Fett).
Das Durchschnittsgewicht einer Milchkuh betrug 10 Zentner.
Als Rasse war fast ausschließlich Allgäuer Braunvieh vorhanden.
Es gab damals einen sehr großen Gutsbetrieb mit 65! Milchkühen. Dies war für die Verhältnisse dieser Zeit ein Riesenbetrieb.
Es gibt 61 Landwirtschaftliche Betriebe, davon 46 im Haupterwerb und 15 im Nebenerwerb.
In 50 Betrieben werden Kühe gehalten, davon 46 Betriebe mit Milchvieh und 4 Betriebe mit Mutterkuhhaltung  insgesamt 1960 Kühe.
In 57 Betrieben wird zusätzlich auch Jungvieh gehalten 1840 Stück
Außerdem gibt es 100 Schafe, 8 Ziegen und 43 Pferde.
Vereinzelt werden auch Mastschweine gehalten.
84 % der Milchkühe sind Allgäuer Braunvieh, 9 % Holsteiner und 7 % Fleckvieh.
Die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh liegt bei 7284 kg (4,06 % Fett).
Bei der Mutterkuhhaltung sind Galloways, Limousin und Hereford vertreten.

Meinen herzlichsten Dank an Herrn Wassermann (Ortsobmann des BBV in Günzach) der sich die Mühe gemacht hat für mich die aktuellen Zahlen von 2007 zusammenzustellen.